Geistliches Wort

Ein feste Burg ist unser Gott

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.
Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge
und die Berge mitten ins Meer sänken,
wenngleich das Meer wütete und wallte
und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. (Psalm 46)

Liebe Gemeinde,
die Worte des 46. Psalms mit ihrem Katastrophenszenario wirkten über eine lange Zeit weit entfernt. Vor 500 Jahren hat Martin Luther sie aufgegriffen mit seinem Trostlied „Ein feste Burg ist unser Gott“, als kaiserlich-katholische Truppen in den protestantischen Gebieten einmarschieren wollten, um die evangelische Glaubensbewegung mit Gewalt auszumerzen.

Von solcher Weltuntergangsstimmung sind wir weit entfernt, aber auch unsere Lebenswelt verändert sich derzeit so grundlegend, dass viele unserer – oft über Jahrzehnte angeeigneten – Erfahrungen und Gewohnheiten nicht mehr passen. Dass der Klimawandel die Lebensbedingungen auf der Erde massiv verändern wird, ist längst keine theoretische Prognose der Wissenschaft mehr, sondern schlägt sich in messbar steigenden Temperaturen und extremen Wetterereignissen wie den Hagelstürmen der letzten Wochen nieder.

Aktuell noch stärker spürbar verändert die Pandemie unser Leben: Versammlungs­verbote und nächtliche Ausgangsbeschränkungen, Schulschließungen, Reise­beschränkungen, Gottesdienstverbote – all das war vor zwei Jahren noch Stoff für Sciencefiction-Filme. Wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, einander mit Maske zu begegnen, auf einen Händedruck zu verzichten und Abstand zu halten, und dass viele sich schon unwohl fühlen, wenn sie an einem Treffen oder einer Konferenz mit 10 – 20 Menschen teilnehmen, gefährdet unser soziales Miteinander, ob wir wollen oder nicht!

Auch wenn hoffentlich bei zunehmender Impfquote die Pandemie bald (wie eine Grippeepidemie) auch ohne Verbote erträglich wird, und auch wenn die politischen Entscheidungen künftig mit mehr Entschlossenheit zur Begrenzung des Klima­wandels beitragen – unsere Erfahrungswelt ist nicht mehr stabil. Der Psalm erinnert uns, was bestehen bleibt: Die Güte Gottes, die wir als Liebe im eigenen Leben erleben und weitergeben können, ist und bleibt die Quelle und Erfüllung unseres Lebens. Das ist unsere Zuversicht und Stärke!

Ihr Florian Gruber, Pfr.