Geistliches Wort

Kirche – Quo vadis, wohin gehst du?

Was wird uns die Zukunft bringen? – Diese Frage stellt sich auch jenseits der Coronathematik angesichts der technischen und gesellschaftspolitischen
Entwicklungen. Wie wird es aussehen mit dem Glauben, der Kirche und dem Gemeindeleben in 10, 15, 20 …. Jahren? Welche Auswirkungen werden unsere
Zeiten des Umbruchs und der Neuorientierung auf die künftigen Generationen haben?

Es gibt viele Antwortversuche. Statistiken werden herangezogen, Studien erstellt und Vergleiche bemüht. Ergibt sich daraus eine Planungssicherheit?
Rückblicke zeigen, wie oft systemische Voraussagen fehlgeschlagen sind. Meist waren es unvorhersehbare Ereignisse, die etwas in eine andere Richtung gelenkt haben, trotz all der klugen Vorausberechnungen. Ist Kirche nur noch gut für einen Abgesang?

In der Jesusüberlieferung finden wir einen hilfreichen Hinweis: „Was sucht Ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ (Lukasevangelium 24,5-6) Nach der Kreuzigung Jesu und dem Rückzug der Jünger aus der Öffentlichkeit, verursacht durch Zukunftsangst und Unsicherheit, kam der erstaunliche Umschwung. Jesu Worte verwirklichten sich: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und ihr werdet meine Zeugen sein.“ (Apostelgeschichte 1,8) Und einer wuchs sogar über sich hinaus. Petrus hielt wenige Wochen nach Jesu Auferstehung eine so bewegende Predigt, dass an einem einzigen Tag etwa 3000 Menschen zur christlichen Gemeinschaft hinzukamen.

So viele Kircheneintritte in einer Stadt wären auch in unseren Zeiten bemerkenswert. Stattdessen hören wir leider mehr und mehr von Kirchenaustritten
und Menschen, die sich von der Kirche abwenden. Misserfolge und Erfolge christlicher Verkündigung, Rückgänge und Erneuerung gab es in allen Epochen der Kirchengeschichte. Einer der erfolgreichsten Prediger seiner Zeit war Friedrich Schleiermacher (1768-1834). Schon er erkannte, dass es beim Glauben um Kommunikation
innerhalb und außerhalb der Kirche geht. Er verdeutlichte, wie die Stärkung einer gesunden Individualität durch den Gedankenaustausch in Lebens- und Glaubensfragen gelingt. Kunst, Kultur und soziales Engagement führen zu einer reichen Lebenserfahrung.

Die positiven Stärken und Fähigkeiten zu fördern ist eine der wesentlichen Aufgaben der Kirche. Hier kann der Blick dafür geschärft werden, dass in unserer Gesellschaft die Schwachen und Abhängigen weder unterdrückt noch ausgenutzt werden.

Ihr Pfarrer Christian Moosauer