Geistliches Wort

Deutschland verändert sich!

 

Seit im Sommer 2015 fast eine Million Menschen auf der Flucht in unser Land gekommen sind, hat sich viel getan. Die Einwohnerzahl hat sich wegen der Flüchtlinge und der Zuwanderer aus anderen EU-Staaten auf fast 83 Millionen erhöht.

Mitarbeitende in staatlichen und kommunalen Behörden waren mit der Unterbringung und Versorgung der vielen Einreisenden extrem gefordert und haben sich zum Teil bis an die Grenze ihrer Kräfte eingesetzt. Aber auch eine große Zahl von ehrenamtlichen Helfern engagieren sich seit damals für die Flüchtlinge: Sie unterstützen die Neuankömmlinge in praktischen Fragen, helfen ihnen im Umgang mit den Behörden und tragen durch persönliche Kontakte, Sprachkurse, schulische Unterstützung, Ausflüge und vieles mehr dazu bei, dass sie sich bei uns einleben und ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Mittlerweile hat sich die öffentliche Wahrnehmung gedreht: Während am Anfang die „Willkommenskultur“ in den Medien begleitet und von einer großen Zahl von Menschen mitgetragen wurde, stehen jetzt die Probleme, die durch den Zustrom so vieler Menschen aus anderen Kulturkreisen entstanden sind, im Blickpunkt der Berichterstattung. Obwohl derzeit nur noch wenige Flüchtlinge in Deutschland einreisen, beherrscht die Angst vor Überfremdung, Islamismus und Straftaten durch die Zugewanderten die Gemüter vieler Mitbürger.

Das Wahlergebnis vom 24. September zeigt, dass durch diese Verunsicherung auch rassistische und menschenverachtende Parolen wieder salonfähig werden. Politikern, die von einem „Schießbefehl“ an der Grenze träumen und deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund in ihr Herkunftsland „entsorgen“ wollen, ist es gelungen, mit ihrem braunen Gefasel die Ängste zu schüren und Wähler zur Abkehr von den Grundwerten unserer Gesellschaft zu bewegen. Denken wir daran: Zu der „christlichen und humanistischen Kultur“, auf die sich ihr Wahlprogramm vollmundig bezieht, gehört an erster Stelle die Achtung jedes Einzelnen und die Bereitschaft, Menschen in Not beizustehen und Hilfe zu gewähren. Auch wenn wir nicht alle Notleidenden auf Erden retten können, ist es unsere Christenpflicht, denen, die jetzt hier sind, offen und hilfsbereit zu begegnen.

Die Veränderungen, die unser Land und unsere Gesellschaft durch die Zuwanderer erfährt, kann ein wirtschaftlich starker Staat und eine couragierte Zivilgesellschaft gut verkraften. Die Erosion unseres Wertesystems durch die Rückkehr zu einer menschenverachtenden Ideologie dagegen wäre ein Verfall, unter dem wir alle zu leiden hätten. Wehren wir uns dagegen und unterstützen wir die Flüchtlinge und alle, die sich tatkräftig um sie kümmern!

Pfarrer Florian Gruber

Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer
und du sollst ihn lieben wie dich selbst. (3. Mose 19, 34)