Geistliches Wort

Friede auf Erden!

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden! Der Lobgesang der Engel ist ein Höhepunkt der Weihnachtsgeschichte. In der Geburt Jesu kommen Gott und Mensch zusammen und das bringt der Erde Frieden, himmlischen Frieden, Frieden nach dem Willen Gottes. Weihnachtslieder und Weihnachtsevangelium strahlen diesen Frieden aus; und der Anblick einer Weihnachtskrippe mit ihrer friedlichen Szene berührt uns immer wieder.

Auch wenn oft nicht mehr geblieben ist als Geschenke und Festessen, haben an Weihnachten alle, auch abgebrühte Realisten, eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und Frieden: Frieden und heile Welt in der Familie, in Frieden gelassen werden von dem Leistungsdruck in Beruf und Schule, Frieden vor den Sorgen und Krankheiten, die uns beschweren, Frieden und Geborgenheit statt der gewohnten Einsamkeit oder Angst. Für jeden von uns sieht dieser Friede, von dem wir träumen, anders aus.

Viel, was in diesen Tagen passiert, hängt mit dieser Sehnsucht nach dem Frieden zusammen: Die Familie versammelt sich zu einem gemeinsamen Abend, und alle bemühen sich, liebevoll miteinander umzugehen und nicht zu streiten. Die Polizei schickt ein paar Tage lang keine Strafzettel, und manchmal gelingt es sogar in den Kriegsgebieten, dass die Waffen schweigen, damit die Menschen in dieser Nacht ohne die tägliche Todesangst feiern können.

Aber dieser Friede auf Erden hält nicht lange: Die Kriege werden wohl auch nach diesem Weihnachtsfest nicht zu Ende sein; der Familienkrach geht häufig am nächsten Morgen weiter, als wäre nichts geschehen; und der Strafbefehl kommt mit ein paar Tagen Verspätung. – Kein Wunder, dass uns dieser Friede immer wieder enttäuscht, dass manche über die Feiertage ganz weit weg fahren, dass diejenigen, die krank oder einsam sind, an Weihnachten besonders leiden.

Was kann denn die Weihnachtsgeschichte mit ihrer Botschaft vom "Frieden auf Erden" ändern, wenn unsere Welt insgesamt so wenig friedlich ist? Es ist vielleicht ganz gut, wenn wir uns erinnern: So heil war's damals bei der Geburt Jesu auch nicht. Jesus lag nicht in der Krippe, weil's so idyllisch aussieht, sondern weil damals Fremde ohne Geld genauso schlecht behandelt wurden wie bei uns heute. Auch später war er nicht der Star, dem alles zu Füßen liegt, sondern hatte mehr Gegner als Freunde – und die waren arme Leute und Ausgestoßene. Aber er hat die Menschen in Bewegung gebracht. Weil er immer wieder von Hoffnung, Liebe und Frieden gesprochen hat, obwohl er wirklich keinen Grund hatte, und vor allem, weil er danach gelebt hat, hat er den Menschen um sich neuen Mut geschenkt.

Lassen wir uns davon anstecken: In unseren Weihnachtsfeiern leuchtet die Erinnerung wieder auf, dass es eine Alternative gibt zu Leistungsdruck, Gewalt und alltäglichem Egoismus. Da können wir etwas davon spüren, wie sehr es sich lohnen würde, anders miteinander zu leben. Nehmen wir die Sehnsucht nach Frieden mit in unseren Alltag: In unseren Herzen nimmt der Friede Gottes seinen Anfang, und nur auf diesem Weg kann es friedlicher werden auf unserer Welt!

Ihr Pfarrer Florian Gruber