Geistliches Wort

Advent im Heiligen Land

 

Wenn ich an Weihnachten und die Adventszeit denke fallen mir viele Dinge ein: Kerzen, geschmückte Tannenzweige, Handschuhe, mit Glück verschneite Landschaften, Lichterketten, ein heißer Glühwein am Christkindlmarkt. Was bislang für mich mit Advent nichts zu tun hatte waren T-Shirt und Sneakers, Eis essen, Party-Musik und ein fulminantes Feuerwerk. Doch seit letztem Jahr gehören diese Dinge für mich genauso zum Advent: Ich durfte in meinem Urlaub die große Feier zum 1. Advent in Bethlehem (siehe Titel- und Titelrückseite) miterleben.

Der auch sonst sehr belebte Hauptplatz der Geburtsstadt Jesu war so voller Menschen, dass ein Durchkommen fast nicht möglich war. Auf der riesigen Bühne wurden Weihnachtslieder vorgetragen und auch der damalige Gewinner von Arab Idol (die arabische Version von „Deutschland sucht den Superstar“) hatte einen Auftritt mit seinem Gewinner-Song. Vor allem aber die Weihnachtslieder, die meist auf arabisch, zum Teil aber auch auf englisch gesungen wurden, blieben mir sehr in Erinnerung. Stille Nacht am 1. Advent im T-Shirt und auf arabisch – das war schon etwas ganz Besonderes. Christen aus allen umliegenden Gemeinden kommen in die Geburtsstadt Jesu, um ausgelassen zu feiern, zu tanzen und gemeinsam zu singen. Die unzähligen Lämpchen, die an dem riesigen Plastik-Christbaum befestigt wurden, der in Sichtweite zur Geburtskirche aufgebaut wird, werden in einer feierlichen Zeremonie erleuchtet. Mit viel Musik, gutem Essen, ausgefallenen Getränken (unalkoholisch, da Bethlehem sehr konservativ und muslimisch geprägt ist) und aus meiner Perspektive krass kitschigem Deko-Zeug endet der Abend in einem riesigen, knallbunten Feuerwerk.

Wie mag wohl der Heilig Abend in Bethlehem gefeiert werden, wenn schon der 1. Advent ein solcher Event ist? Gerne würde ich einmal über Weihnachten ins Heilige Land reisen, um dieses Fest vor Ort mitzuerleben. Für nächstes Jahr steht aber erstmal ein anderes christliches Hochfest auf meinem Palästina-Urlaubs-Zettel: Ostern. Geplant ist, die Zeit von Gründonnerstag über Karfreitag bis hin zum Ostersonntag in Jerusalem zu verbringen, um die Feierlichkeiten am Ort des Geschehens mitzuerleben, unserer christlichen
Geschichte nachzuspüren und die kulturellen Unterschiede von Christen aus aller Welt wahrzunehmen. Wenn sich an der politischen
Lage nichts Wesentliches verändert und eine Reise in die besetzten palästinensischen Gebiete auch weiterhin möglich ist, werde ich mich erneut auf den Weg in dieses wunderschöne, hart umkämpfte, seit Jahrtausenden zerstörte und wiederaufgebaute Land begeben und neue Eindrücke sammeln.


Ihre Diakonin Michaela Kleemann