Geistliches Wort

Der Schatz der Kinder

Meine eigene Matsch- und Platsch-Freude ist längst verblasst. Aber ist die denn noch wichtig, wenn wir einmal erwachsen sind? Wir brauchen dann unseren Kopf für wichtigere Dinge. Wir tragen Verantwortung. Wir treffen Entscheidungen. Wir schlagen uns mit Problemen herum. Wir kämpfen uns durchs Leben. Das ist oft eine ernste Angelegenheit. Es müssen uns nicht einmal große Sorgen plagen. Es gibt genug alltägliche Kleinigkeiten, ein Gemisch aus Anstrengung und Ärger, das uns die Falten zwischen die Augenbrauen meißelt.

„Was wird Gott Sie fragen, wenn Sie einmal vor ihm stehen?“ Diese Frage stellt eine Ordensschwester einem deutschen Journalisten. Er hat bei einer Südafrikatour das Elendsquartier besucht, in dem sie arbeitet. Der Journalist ist verblüfft und probiert verschiedene Antworten durch: bist du immer schön fleißig gewesen? Oder: hast du auch immer ganz selbstlos an die anderen gedacht? Oder: hast du unerschütterlich geglaubt? Die Nonne lacht: I wo! Gott wird mich fragen: Hat es dir gefallen? Und ich werde rufen: Ja!

Stellen wir uns vor, die Nonne hat recht. Können wir das einfach sagen: ja, es hat mir gefallen? Das ist gar nicht so leicht mit strengen Falten zwischen den Augenbrauen und mancher Knitterfalte auf der Seele. Viel zu oft bejammere ich irgendetwas in meinem Leben. Die Mücken am Badesee, die Sommerhitze, das missglückte Backwerk...

Jesus hat einmal auf die Kinder gezeigt und gesagt: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen (Mk 10,15). Lernt von den Kindern! Ja, das möchte ich lernen: mit kindlichen Augen die Welt betrachten und mich bezaubern lassen. Grad so wie die kleinen Knirpse, die jetzt im Sommer überall in der Welt beim Matschen und Planschen selig werden. Bald kommt der Urlaub. Ich trete heraus aus meinem Alltag mit seinen Anforderungen und seiner Sorgenfracht. Ich habe Zeit und lerne wieder neu, die Welt mit kindlichen Augen zu betrachten. Ob Natur oder Kultur: es gibt so viel zu bestaunen und neugierig zu erforschen – mit der Ausdauer eines Kindes. Versunken ins Jetzt. Andächtig.

Schön, wenn Sie und ich uns dafür in diesen Wochen Zeit nehmen.

Ihre Pfarrerin Elke Eilert