Geistliches Wort

Ach was – die Schnecke?

GB 18-1 Schnecke

 

An jedem Sonntag und besonders an Ostern gedenken wir der Auferstehung Jesu. Wenn wir den Sieg des Lebens über den Tod feiern, helfen uns Auferstehungssymbole, diese grundlegende Glaubensaussage in eine bildhafte Sprache zu übersetzen. Einem Geschehen, das die menschliche Vorstellungskraft und Lebenserfahrung weit übersteigt, kommen wir so näher.

Ein altes und dennoch nicht so bekanntes Symbol der Christenheit für die Auferstehung ist die Schnecke. Die kalte Jahreszeit überstehen Schnecken bei uns dadurch, dass sie ihr Schneckenhaus mit einem kalkhaltigen Sekret verschließen. So entsteht ein fester Deckel, der vor Frost und Kälte schützt. Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen und genügend Feuchtigkeit entsteht, sprengt die Schnecke den Verschluss und kommt wieder zurück ins erwachende Leben der Natur.

Das erinnert an das offene Grab Jesu und den Stein, der fortgewälzt war. Auf antiken Gräbern der Christenheit finden sich neben anderen Symbolen auch
Schnecken als Zeichen der Auferstehung. Das wurde später von Kunstmalern aufgenommen. Auf Bildern zur Auferstehung ist manchmal ganz unscheinbar
und erst bei näherer Betrachtung eine Schnecke erkennbar.

Viel deutlicher und sehr beeindruckend ist eine Skulptur in der evangelischen Stadtkirche St. Sebald in Nürnberg. Das 1519 vollendete, in Bronze gegossene Sebaldusgrab, das fast 8000 kg schwer ist, steht auf einem zwar fragil erscheinenden und doch tragfähigen Fundament. Auf zwölf Schnecken und vier Miniaturdelphinen ruht das beinahe fünf Meter hohe Monument. Das verdeutlicht uns, dass unser aller Leben zwar sehr zerbrechlich und gefährdet ist. Dennoch sind wir getragen und dazu bestimmt, mit dem Tod nicht unterzugehen.

Eine besondere Erfahrung, wieder zurück ins Leben zu finden, machte die Amerikanerin Elisabeth Tova Bailey. In ihrem Buch „Das Geräusch einer
Schnecke beim Essen“ beschreibt die junge Frau, wie sie durch eine schwere Viruserkrankung bettlägerig wurde. Eines Tages bekam sie einen Blumenstock geschenkt. Darin befand sich zufällig eine Schnecke. Diese wurde nach und nach zum Haustier und wohltuenden Begleiter. Allmählich lernte die Journalistin aus dem Verhalten der Schnecke und ihrer Eigenschaften und bekam wieder neuen Lebensmut. Mit kleinen Schritten, geradezu im Schneckentempo – aber eben beharrlich, neugierig, ruhig und geduldig – fand E. T. Bailey wieder ins Leben zurück.

Wenn wir also eine Schnecke, ein Schneckenhaus oder auch Schnecken im übertragenen Sinne wie eine Wendeltreppe oder spiralförmige Gebilde in
Technik und Natur sehen, kann das auch ein bildhaftes Erinnerungszeichen für die Auferstehung sein!

Ihr Pfarrer Christian Moosauer