Geistliches Wort

Frieden - nur ein Wort?

Wenn wir an Frieden denken oder dieses sehnsuchtsvolle Wort aussprechen, scheint es zunächst ganz einfach zu sein: kein Krieg, keine Gewalt, Gleichheit, Freiheit, Geschwisterlichkeit … Und doch ist der Frieden leichter gefordert als erwirkt. Über das Friedensthema wurde oft gesungen. Auch hier zeigt sich, welche notwendigen Voraussetzungen damit verbunden wären: kein Hunger, kein Neid, die faire Verteilung der Güter, keine Kriegstreiber …

Frieden hat auch etwas mit Imagination zu tun. „Imagine – Stell dir vor“, sang schon John Lennon. Es geht um die Fähigkeit, positive Bilder zu erzeugen und einzuprägen, die den Menschen vor Augen führen, wo und wie der Frieden zu finden ist. Frieden ist kein Zustand, sondern ein Prozess, eine Bewegung. Das lehrt uns bereits die Bibel. Jesus sagt uns: Schon bei euren Gedanken entscheidet sich, ob ihr für oder gegen den Frieden wirkt.

Dabei geht es nicht darum, Konflikten aus dem Weg zu gehen und eine gewaltsam herbeigeführte Ordnung und Unterordnung der Schwächeren für einen guten Frieden zu halten. Denn Frieden und Freiheit gehören zusammen. Es ist kein Zufall, dass Kunst, Literatur und Architektur ganz besonders in Friedenszeiten aufblühen. Aber kann es wirklich einen Frieden geben ohne Nächstenliebe? Dazu gehören: soziale Gerechtigkeit, Achtung der Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Recht auf Bildung, gleiche Möglichkeiten bei notwendigen medizinischen Behandlungen, gesunde Lebensbedingungen und Umweltschutz weltweit. Da gibt es Berührungspunkte in vielen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und medizinischen Bereichen. Und auch hier gilt der Grundsatz: Wort und Tat gehören zusammen.

Es mutet schon seltsam an, wenn alle Vernunftbegabten anerkennen, dass das Fliegen und die Kreuzfahrten auf den Megaschiffen in Punkto Klimaschädigung ganz oben stehen. – Und dann sind es doch so viele, die sich hierbei in keiner Weise einschränken wollen.

Auch der Kaufrausch bleibt ungebremst, soziale Berufe finden weniger Anerkennung als Branchen mit hoher Gewinnspanne, bei Produkten der Kommunikationstechnik spielt der Ressourcenverbrauch so gut wie keine Rolle. Der Druck auf alle wird erhöht, sich in diesen Strudel hineinfallen zu lassen: der wahnwitzigen Digitalisierung aller Lebensbereiche mit allen Risiken des Freiheitsverlustes, der Kosten-Nutzen-Rechnung eines Menschenlebens, der Erpressbarkeit durch Herrschaftswissen und zur Unterdrückung der Schwächeren.

Stell dir vor: Die Menschen wachen auf und merken, wie sie an der Nase herum-geführt werden und ändern ihre Blickrichtung für den Frieden! „Selig sind, die Frieden stiften“, sagt Jesus und meint auch uns ganz persönlich.

Ihr Pfarrer Christian Moosauer